Stasis – Horror-Adventure ab 18

Alone in the dark? Der einsame Held des Adventures Stasis tappt des öfteren im Dunklen. (Foto: Daedalic Entertainment)

Alone in the dark? Der einsame Held des Adventures Stasis tappt des öfteren im Dunklen. (Foto: Daedalic Entertainment)

Zurück zu den Wurzeln der Computerspiel-Genres: Adventures zählen zu den Pionier-Genres der digitalen Unterhaltung. Erst spielten die Gamer Text-Adventures, bei denen die Fantasie für Bilder im Kopf sorgte, dann kamen die Point-&Click-Adventures. In letzterer Tradition steht das Horror-Science Fiction-Epos Stasis.

Ein Mann wacht desorientiert in einem Raumschiff auf. Nicht nur dieses ist in einem desolaten Zustand, sondern auch unser Protagonist John. Das intelligente Computersystem an Bord rät ihm, dringend ärztliche Versorgung in Anspruch zu nehmen.

Das sieht John ganz genau so. Doch gestaltet sich die Suche nach Hilfe leichter gesagt als getan. Er irrt durch die schlecht belichteten Gänge der heruntergekommenen Raumstation und versucht herauszufinden, was vorgefallen ist.

Die wichtigste aller Fragen: Wo sind Johns Frau und Kind?

Wie in einem guten Thriller kommt die Wahrheit hinter den Ereignissen Schritt für Schritt ans Licht. (Foto: Daedalic Entertainment)

Wie in einem guten Thriller kommt die Wahrheit hinter den Ereignissen Schritt für Schritt ans Licht. (Foto: Daedalic Entertainment)

Der Begriff Stasis kommt aus dem griechischen und steht für Stillstand. Für Weltraumreisen werden in dem Spiel Passagiere in eine Stasis versetzt – ein künstliches Koma. Eigentlich ist der Sinn der Sache, den Reisenden die Langeweile bis zum Erreichen der fernen Destination zu ersparen.

Im Fall von John und seiner Familie aber ging etwas schrecklich schief…

Auf der Suche nach Frau, Kind und Wahrheit

Die Ausgangssituation zu Spielbeginn ist dramaturgisch raffiniert. Dass John sich nach dem Aufwachen in schlechter körperlicher Verfassung auf einem fremden Schiff befindet, wirft Fragen auf, die auch den Spieler interessieren.

Dazu kommt der emotionale Aspekt – denn was könnte schlimmer sein, als die eigene Familie zu vermissen, ohne den Hauch einer Ahnung über deren Schicksal? So geht man gleich zu Beginn von Stasis hochmotiviert an die Aufklärung der bizarren Situation.

Lange Textpassagen sollten Spieler nicht abschrecken, denn sie verbergen wichtige Hinweise. (Foto: Daedalic Entertainment)

Lange Textpassagen sollten Spieler nicht abschrecken, denn sie verbergen wichtige Hinweise. (Foto: Daedalic Entertainment)

Ganz im Stil klassischer Point- & Click-Adventures kann der Spieler Gegenstände mit dem Mauszeiger berühren, um Informationen über diese Objekte oder Orte per Texteinblendung zu erhalten.

Manche Gegenstände lassen sich zudem einsammeln und an anderer Stelle einsetzen oder mit anderen Objekten kombinieren, um Rätsel zu lösen. Beispielsweise lässt sich ein chirurgischer Bohrer zweckentfremden, um ein Leck in einem Behälter zu verursachen. Das löst eine Kettenreaktion aus, um den Weg in einen anderen Bereich des Raumschiffes zu ermöglichen.

Immer wieder bekommt John Zugang zu Informationen von PDAs oder Bordcomputer-Systemen. Es lohnt sich, diese Lektüre nicht als Störung des Spielflusses zu empfinden, sondern aufmerksam zu lesen. Immer wieder finden sich nämlich zwischen den Zeilen Hinweise, die bei der Lösung von Problemen helfen – und somit auch der Wahrheitsfindung dienen.

So viel sei verraten: Stasis zeigt was passiert, wenn Wissenschaft und Technik ohne das Korrektiv der Moral agieren.

Ein Albtraum ab 18 Jahren (Foto: Daedalic Entertainment)

Ein Albtraum ab 18 Jahren (Foto: Daedalic Entertainment)

Von oben herab schauen

Natürlich gibt es auch Egoshooter, die eine ähnliche Story erzählen. Die Herangehensweise ist aber eine völlig andere: Statt auf Action setzt Stasis auf dichte Atmosphäre. Diese wird durch die Bildkomposition erreicht, durch den stimmungsvoll düsteren Soundtrack von Mark Morgan (Fallout) und durch die erwachsene Story, die ihre Schrecken in kleinen Schritten erahnen lässt, bevor das Finale den ganzen Albtraum wahr werden lässt.

Fans der Ich-Perspektive schwärmen gern davon, dass die Sichtweise wie aus den Augen der Figur besonders intensiv ist. Tatsächlich müssen sich Gamer, die üblicherweise keine Adventures spielen, erst einmal an die isometrische 2D-Perspektive gewöhnen. Doch Stasis gelingt es, den Spieler auch aus der Fernsicht von leicht schräg oben in seinen Bann zu ziehen.

Die Bedrohlichkeit des unheimlichen Ortes ist in jedem Moment zu spüren. Und jeder Denkfehler kann für John tödlich enden. Die unzähligen, teils brutalen Arten, die Johns Leben ein Ende setzen, sind der Grund, warum das Spiel eine USK-Einstufung ab 18 Jahren erhalten hat.

Fazit

Wer Action und Schnelligkeit sucht, wird mit Stasis wenig Freude haben. Wer sich dagegen auf die Atmosphäre einlässt, um die Wahrheit wie ein Science Fiction-Detektiv aufzuspüren, erlebt die Tugenden des Point-& Click-Genres auf der Höhe der Zeit.

Schaurig-schönes Horror-Adventure mit anspruchsvollen Rätseln und gelungener Grafik für erwachsene Gamer.