Star Wars VII: Das Erwachen der Macht

Wiedersehen mit alten Bekannten: Carrie Fisher und Harrison Ford in Star Wars VII (Foto: © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved/Disney)

Wiedersehen mit alten Bekannten: Carrie Fisher und Harrison Ford in Star Wars VII (Foto: © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved/Disney)

Auf Regisseur J.J. Abrams lastete das Gewicht der Filmwelt: Der Erwartungsdruck der Fans an Star Wars VII war enorm. Wir verraten, ob Das Erwachen der Macht diesem Druck gewachsen ist.

Wer denkt, Star Wars sei eine Filmreihe, hat keine Ahnung vom Kult um dieses Science Fiction-Epos. Für die einen ist es ein Lifestyle, für die andere fast schon so etwas wie eine Religion. Der Mythos wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Einer der Fans: J.J. Abrams. Als Kind hatte ihn, laut eigenen Angaben, die Original-Trilogie aus dem Sessel gehauen vor Begeisterung. Nun darf er selbst das Erbe von George Lucas, dem geistigen Vater der Sternenkriege-Saga, antreten.

Ein schweres Erbe, zweifelsohne, denn auch als erfahrener Regisseur (unter anderem von „Star Trek“) muss man erstmal mit dem immensen Druck umgeben lernen, dass die Erwartungen von Filmfans aus der ganzen Welt nicht enttäuscht werden dürfen.

Ganz zu schweigen von der Erwartungshaltung des Disney-Konzerns, der 2012 für rund vier Milliarden Dollar nicht nur Lucasfilm kaufte, sondern damit auch die Rechte an einer der größten Marken des Film-Business. Star Wars ist schließlich nicht nur eine Filmreihe, sondern auch eine der größten Merchandising-Marken in der Geschichte der Lizensierungen.

Billige Kopie oder Sternstunden der Kino-Unterhaltung?

Auch Teil 7 ist bildgewaltig wie eh und je. (Foto: © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved/Disney)

Auch Teil 7 ist bildgewaltig wie eh und je. (Foto: © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved/Disney)

Das Imperium heißt nun Erste Ordnung, die Rebellen heißen Widerstand. Ansonsten ändert sich nichts, denn der ewige Kampf zwischen Gut und Böse ist nicht nur so zeitlos wie die Star Wars-Saga, sondern so zeitlos wie die Geschichte der Dramaturgie.

Um die Pointe vorweg zu nehmen: Regisseur J.J. Abrams hat alles richtig gemacht. Sein Geniestreich: die Cast der Original-Trilogie an Bord zu holen. Mark Hamill als Luke Sykwalker, Carrie Fisher als Prinzessin Leia Organa und Harrison Ford als Han Solo zu sehen, ist für nicht wenige Zuschauer die Erfüllung eines vergessen geglaubten Kindheitstraums.

Auch die Kultroboter C-3PO und R2-D2 sind erneut mit von der Partie. Ebenso Han Solos treuer Bettvorleger… äh, Copilot Chewbacca. Last not least: Auch der Millennium Falke, das beliebteste Raumschiff der Sternensaga, spielt erneut eine Hauptrolle.

Weltraumschlachten dürfen nicht fehlen. (Foto: © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved/Disney)

Weltraumschlachten dürfen nicht fehlen. Der Millennium Falke auch nicht. (Foto: © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved/Disney)

Star Wars VII befriedigt nicht nur die Fans der ersten Stunde, sondern schlägt auch die Brücke zu aktuellen und zukünftigen Generationen von Jedi-Jüngern: Nachwuchsschauspieler schlüpfen in die Rollen der neuen ersten Riege der Helden und Schurken im größten modernen Märchen der Pop-Kultur.

Kylo Ren, idealbesetzt vom charismatischen Adam Driver, tritt in die großen Fußstapfen Darth Vaders.

Die junge Protagonistin Rey (Daisy Ridley) hat das Potenzial, auch in kommenden Folgen der Filmreihe die Kinoleinwand zu füllen. Auch Finn (John Boyega) könnte eine große Zukunft als Star Wars-Held vor sich haben.

Neben R2-D2 und C-3PO betritt ein dritter Roboter die Bühne: Wer sich vor dem Film gefragt hat, wofür es gut sein soll, eine weitere Droiden-Figur zu etablieren, weiß nach dem Kinobesuch: Der sympathische BB-8 hat das Zeug zur Kultfigur und bereichert das Star Wars-Universum um einen weiteren Lieferanten für das, was man in der Filmsprache als „comic relief“ bezeichnet.

Handlung und Figuren der Original-Trilogie wirken bisweilen wie Blaupausen für Star Wars VII. Dennoch wirkt der Film im Ganzen nicht wie ein reines Remake der ursprünglichen Saga. Zwar ist Das Erwachen der Macht auch eine tiefe Verbeugung vor der von George Lucas geschaffenen Legende, spinnt aber auch neue Fäden, die Generationen von weiteren Star Wars Fans garantiert bei der Stange halten werden.

Die Handlung

Neue Helden für eine weit entfernte Galaxie: John Boyega als Finn und Daisy Ridley als Rey. (Foto: © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved/Disney)

Neue Helden für eine weit entfernte Galaxie: John Boyega als Finn und Daisy Ridley als Rey. (Foto: © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved/Disney)

Die Handlung beginnt 30 Jahre nach den Geschehnissen von Star Wars VI. Das Imperium mag geschlagen sein, doch für die dunkle Seite der Macht gilt: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch. Unter dem neuen Namen Erste Ordnung formieren sich die Überreste des einst mächtigen Imperiums, um erneut die All(ein)-Herrschaft an sich zu reißen.

Es mangelt nicht an Sturmtrupplern und ein Ersatz für den Todesstern ist ebenfalls in Vorbereitung. Auf den Imperator folgte ein Wesen namens Snoke, Darth Vader wurde ersetzt durch Kylo Renn. Das Böse ist also noch gut in Schuss.

Stellt sich die Frage: Wo sind nur die alten Helden, wenn man sie braucht? Luke Skywalker ist ins selbstgewählte Exil verschwunden. Von Han Solo und Leia fehlt zunächst ebenfalls jede Spur.

In diesen unsicheren Zeiten treffen BB-8, Rey und Finn aufeinander. Das ungewöhnliche Trio begegnet Han Solo und Chewie und bald kommt es auch zur Begegnung mit Leia. Zu sehen, wie sich das wichtigste Liebespaar seit Romeo und Julia in den Armen hält, ist ein bewegender Moment für alle, die mit Star Wars groß geworden sind. Wer hier nicht insgeheim ein Tränchen verdrückt, gehört der dunklen Seite der Macht an.

Den Guten auf den Fersen: Kylo Ren, unter dessen Maske ein Geheimnis schlummert, das für die Zuschauer für Herzrasen sorgen wird.

 

Maskenball im All: Kylo Ren (rechts) ist der Azubi des Bösen. (Foto: © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved/Disney)

Maskenball im All: Kylo Ren (rechts) ist der Azubi des Bösen. (Foto: © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved/Disney)

Alte Helden, neue Figuren, eine Story, die Spannung und augenzwinkernden Humor verbindet, unzählige Anspielungen für die Fans der alten Garde und neue Charaktere, die die Zukunft des Disney-Star Wars-Imperiums ebnen – Star Wars VII funktioniert.

Der alte Zaubertrick sorgt noch immer für magische Momente. Cowboys, Prinzessinnen, Ritter, Piraten, Außerirdische, Roboter, Monster – was im Karneval beliebt ist, spricht auch die archaische Seite der Kinobesucher an.

„Es ist wahr. Einfach alles … Die dunkle Seite, die Jedi – all das gibt es.“ Diese Worte spricht Han Solo in einer Schlüsselszene aus. Sie hallen nach, noch eine ganze Weile nachdem man den Kinosaal verlassen hat. Das ist alles, was man von der Star Wars-Fortsetzung erwarten durfte. Und sogar noch ein bisschen mehr.

Fazit

Sieben Sterne von sechs möglichen!

Fotos: © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany