| Fahrzeugtest: Ford Puma Futura WILDKATZE Es war Liebe auf den ersten Blick. Mit allem, was dazugehört, inklusive Herzklopfen, Sie stand vor mir in ihrem raffiniert geschnittenen, silbernen Kleid, das ihre aufregenden Formen betonte - von einem Top-Designer, aber gar nicht mal teuer. Ihr Name klang wie ein Versprechen: Puma Futura Einen Vergleich zu ziehen zwischen einem Auto und einer schönen Frau ist so antiquiert wie Hosenträger und so phrasenhaft wie eine Politikerrede. Ich musste erst dem Ford Puma in die mandelförmigen Augen sehen, um dieses Phänomen ansatzweise nachvollziehen zu können. Obwohl der Puma schon seit 1997 auf deutschen Straßen zu sehen ist, bleibt er immer noch ein Hingucker. Wenn der Puma in der Innenstadt parkt, sticht er hervor aus den anderen Wagen seiner Preisklasse, die sich in ihrer pragmatischen Form oft gleichen wie ein Restmüllcontainer dem anderen. Der Puma steht dazwischen wie eine Zeitmaschine, die ihr Erfinder vergeblich als Auto tarnen wollte. Fords Philosophie vom New-Edge-Design, deren Pionier der Ka war, wurde nie radikaler und aufregender umgesetzt als im Puma. Gewagte Formen, wie man sie sonst höchstens bei Show Cars antrifft, die nach ihrem einmaligen Bühnenauftritt auf einer Automobilmesse in Firmenmuseen verstauben. Elegante Coupe-Silhouette, fließende Dachkontur, kraftvolles hohes Heck, breite Reifen, dezente Spoiler, markante Leuchten: Das Äußere des Ford Puma suggeriert Sportlichkeit. Kaum zu glauben, dass diese Eleganz und Sportivität auf dem verlängerten Fiesta-Fahrwerk basiert. Der Name Puma zeugt von Temperament. Die gleichnamige Raubkatze ist bekannt für ihre Anmut, ihre Muskelkraft, ihre ausgeklügelte Jagdtechnik und ihre Feinsinnigkeit. Die Farbe unseres Testwagens erinnert noch einmal an den Puma aus der Tierwelt, denn der wird auch Silberlöwe genannt. Der Innenraum unseres Puma Futura führt das Konzept von der Synthese aus Schick und Sportlichkeit konsequent fort - mit klassischen sportiven Edelfarben: Schwarz und Silber. Dass der Puma schön ist, stellt - im Gegensatz zur polarisierenden Diskussion um den Ford Ka - kaum jemand in Frage. Aber es zählen auch die inneren Werte. Die 1,7 Liter-Version des kleinen Sport-Ford hat immerhin 125 PS unter der Haube. Kraft genug für die Pirsch durch den Großstadtdschungel genau so wie für den Sprint auf der Autobahn. Natürlich kann man die Zugkraft im niedrigen Drehzahlbereich nicht mit der eines reinrassigen Sportwagens der höheren Preisklassen vergleichen. Dem Wagen deshalb den Stempel »Mehr Schein als Sein« aufzudrücken, wäre dennoch ungerecht. Dass der Puma so unverschämt gut aussieht und mit diesem Aussehen kompromisslose Sportlichkeit ausdrückt, kann man ihm nicht zum Vorwurf machen. Für 31.550 respektive 35.150 DM (103 PS-/I25 PS-Motorisierung) wird man schwerlich ein temperamentvolleres oder gar schöneres Auto bekommen. Die Sonderedition Futura bietet mit ihren Gimmicks wie Klimaanlage, Recaro-Ledersportsitzen, Leichtmetallrädern, elektrisch höhenverstellbarem Fahrersitz, etc. einen Preisvorteil von 3.425 DM gegenüber dem Einstiegsmodell. Der Ford Puma ist eine Möglichkeit, sich den Traum vom Sportwagen zumindest ansatzweise zu ermöglichen, ohne dabei zu tief in die Tasche greifen zu müssen. Sein Preis macht ihn zur idealen Rennsemmel für junge Leute. 125 PS bringen das kompakte Coupe in weniger als neuneinhalb Sekunden von Null auf Hundert. Ein Durchschnittsverbrauch von acht Litern Super pro 100 km ist bei diesen Fahrleistungen eigentlich nicht zu viel. Das lederne Sportlenkrad liegt gut in der Hand, die sehr adäquat abgestimmte Lenkung und die kurzen Schaltwege sorgen dafür, dass beim Fahren Sportwagen-Feeling aufkommt. Wie das Raubtier Puma krallt sich der Wagen in den Boden und die ausgezeichnete Straßenlage gibt einem auch - und gerade - bei kurvenreichen Strecken ein sicheres Gefühl. Wenn der Puma aus dem Gehege der Ampeln, Staus und Zebrastreifen entlassen wird und sich auf freier Wildbahn austoben darf, bemerkt man anerkennend, wie mühelos der kleine Wilde bis über die magische 200 auf dem Tacho klettert, ganz der Mentalität seines Namensgebers entsprechend — Pumas werden nicht umsonst auch Berglöwen genannt. Die elektrische Sitzhöhenverstellung macht es einem leicht, die ideale Position zu finden. Auf eine Sitzheizung wurde verzichtet, dann muss im Winter eben ein heißer Fahrstil dafür sorgen, dass einem warm ums Herz und um den Allerwertesten wird. Design ist immer ein Kompromiss aus Ästhetik und Funktionalität. Bei einem kleinen Detail haben die Designer des Ford Puma allerdings die Prioritäten falsch gesetzt: Die kleinen Außenspiegel, das hohe Heck und die Visierform der Heckscheibe unterstreichen zwar die Schnittigkeit des Gesamtkunstwerkes, erschweren aber den Überblick nach hinten. Ein Manko, das sich spätestens beim ersten Einparken in der City bemerkbar macht. Aber fällt es nicht auch bei einer schönen Frau leicht, über kleine Schwächen hinwegzusehen? |