(Van mobil, Heft 2/2001)
((GEKÜRZT))
FEUERPROBE FÜR SUZUKI
Er wird als Multi-Kompaktvan angepriesen, aber seinem Namen nach
muss der neue Suzuki Ignis ein ziemlich heißes Eisen sein, denn Ignis
ist lateinisch und heißt Feuer
...
Doch was verbirgt sich hinter der zündenden Bezeichnung wirklich? Ein
vollwertiger Mikrovan? Ein etwas hoch geratener Kombi? Oder gar ein
kleiner Offroader? Der Ignis hat Gene von all diesen Autogattungen, ist
mit dem Suzuki Mikrovan Wagon R+ gleich eng verwandt wie mit dem
kleinen Allrad-Stoppelhopser Jimny.
Bei so vielfältig guten Anlagen wähnten die Suzuki-Strategen gleich,
ein
völlig neues Marktsegment für ihren Jüngsten erspäht
zu haben: das der
Multi-Kompaktwagen. Van mobil ist gegenüber der vollmundigen Ver-
käufersprache etwas skeptisch und fragt: Ist der Ignis tatsächlich
eine
Klasse für sich oder ist er nicht Fisch, nicht Fleisch?
Van oder nicht Van ist hier also die Frage. Das Äußere ist wenig
aufschlussreich. Suzuki spricht von "absolut originellem Design" und meint
damit den Hauch von Offroad-Optik, die den Ignis stellenweise kenn-
zeichnet: Die große Bodenfreiheit, die Dachreling, die hohe Schnauze
und die
wuchtigen Stoßfänger in Wagenfarbe fallen auf. Schwarze Kunststoff-Zierleisten
in den Radkästen sollen Sportlichkeit demonstrieren und als Schutz
gegen
Steinschlag und Spritzwasser dienen. Markant sind die extrem hochgesetzten
Rückleuchten.Charakteristisch für den kleinwüchsigen Japaner
ist außerdem das
extrem steil abfallende Heck.
Die relativ hohe Einbau-Position der Sitze und die weit öffnenden Türen
er-
möglichen einen für Fahrzeuge dieser Größe relativ
bequemen Zugang. Sowohl
auf der Beifahrer- als auch auf der Fahrerseite befinden sich Spiegel in
der Sonnen-
blende - damit wird Suzuki nicht nur der Tatsache gerecht, dass Frauen als
Käufer
von kleinen Autos eine dominierende Rolle spielen, sondern auch der männlichen
Eitelkeit. Letzteres jedoch offensichtlich unbewusst, denn in der Katalogangabe
liest
man noch traditionell vom "Schminkspiegel beidseitig".
Ungewöhnlich komfortabel gibt sich der Fahrersitz im Detail: Die Neigung
der Sitz-
fläche ist individuell verstellbar. Die Bedienelemente und Instrumente
des Armaturen-
brettes sind schnell und intuitiv wahrnehmbar. Wenn man die Außenmaße
bedenkt,
ist der subjektive Raumkomfort im Inneren beachtlich. Und das auch auf dem
Fahrer-
platz, obwohl der Raum unter dem Lenkrad als Staufläche genutzt wurde
- unter dem
Armaturenbrett befinden sich auf Fahrer- und Beifahrerseite Ablagen und
Getränke-
halter. Allgemein zeichnet sich der Ignis durch eine Vielzahl von kleinen,
praktischen Fächern
aus. Eine ausziehbare Box unter dem Beifahrersitz ist ein ebenso hilfreiches
Gimmick wie
die Nutzung des Raumes zwischen den Vordersitzen: Hinter dem Schalthebel
und hinter
der Handbremse befindet sich je eine Ablage.
Wie der Hut eines Zauberers hat der Ignis einen doppelten Boden. Unter dem
Gepäck-
raum verbirgt sich eine herausnehmbare Wanne mit 19 Litern Fassungsvermögen
-
Variabilität, die den Bedürfnissen der von Suzuki anvisierten
Hauptzielgruppe entsprechen.
Das sind laut Selbstaussage "Leute mit aktivem Lebensstil". Diese freuen
sich auch über die
Möglichkeit, durch Umklappen der Rücksitzlehnen den Freiraum hinten
auf 419 Liter
Fassungsvermögen zu erhöhen. Einfach die Entriegelungsknöpfe
an den Rücksitzen hoch-
ziehen und schon lassen sich die beiden Lehnen mit einem Griff bis zur Horizontalen
umlegen.
Angenehmerweise entseht dadurch eine fast ebene Ladefläche. So lässt
sich der Stauraum
flexibel nutzen, egal ob Sie einen Spontanurlaub vor sich, einen Impulskauf
hinter sich oder
einen Überraschungs(fahr)gast bei sich haben.
Bei der Namensgebung wird wohl neben dem lateinischen Ursprung des Wortes
"ignis" auch
die Assoziation mit dem englischen "ignition" (Zündung) eine Rolle
gespielt haben. Drehen wir
also den Schlüssel, um festzustellen, ob der Ignis eine zündende
Idee war. Bereits beim An-
fahren zeigt sich sein erstaunlich feuriges Temperament, das dem Namen Ignis
gerecht wird.
83 PS sind eine Menge Power für ein derart leichtes Auto und der kleine
Wilde sprintet los
wie ein neugieriger junger Hund.
So viel Sportivität hätte man ihm gar nicht zugetraut. Der neue
Ganzaluminium-Motor macht
den Ignis nicht zum Komplizen für Autobahnraserei, sondern zum flinken
Gefährt(en) für den
Großstadtrummel und zum zuverlässigen Partner bei Überholmanövern
auf der Landstraße.
Der Druck aufs Gaspedal wird bereits im niedrigen Drehzahlbereich spontan
in Beschleunigung
umgesetzt. Den in seiner Leistung sehr überzeugenden 1,3 Liter-DOHC-Motor
kann man wahl-
weise mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe oder einer Viergang-Automatik
bekommen. Das
maximale Drehmoment von 110 Nm wird bei 3500 Umdrehungen pro Minute erzeugt
und er-
möglicht relativ schaltfaules Fahren. Der Kraftstoffverbrauch beträgt
im Mix moderate 6,4 Liter
pro 100 Kilometer.
Trotz der leichten Offroad-Elemente im Design: Der Ignis ist kein Geländewagen
und auch kein
SUV (Sport Utility Vehicle). Auch die Autobahn ist nicht das eigentliche
Revier des japanischen
Feuerzeugs. Der Ignis ist ein Stadtauto und ein Landstraßenflitzer.
Der Fahrkomfort, der ihn zu
einem angenehmen Gefährt für Stadttripps macht, nimmt bei höheren
Geschwindigkeiten ein
wenig ab. Der Motor macht bei niedrigeren Geschwindigkeiten durch sein kerniges,
aber nicht
unangenehmes Brummen auf sich aufmerksam, bei Geschwindigkeiten nahe der
Spitze knurrt er
dann schon unwilliger. Dabei ist er allerdings nie so laut wie der Fahrtwind,
der jenseits der 100
Stundenkilometer mit großem Getöse um den kleinen Ignis
braust.
Diese Geräuschkulisse, ein Indiz für die aerodynamisch nicht besonders
ausgefeilte Form, macht
laneg Touren dann doch etwas quälend. Und die Empfindlichkeit gegen
Windböen von der Seite
oder gegen die Luftwirbel, mit denen überholte Lkw den kleinen Suzi
zum Wackeln bringen, sorgt
nicht gerade für ein sicheres Fahrgefühl bei hohem Tempo.
Die Sitzposition ist recht hoch für einen derart kompakten Wagen. So
hat der Fahrer eine gute
Rundumsicht. Und der Blick von oben bewirkt noch etwas: Man fühlt sich
sicherer, thront quasi
über der Situation.
Die leichtgängige, exakt arbeitende Servolenkung lernt man bei Manövern
in kleinen Großstadt-
parklücken schätzen. Positiv fällt das gutmütige Kurvenverhalten
des Miniaturmobils auf. Deutlich
unetrsteuernd hängt sich der Ignis in allzu forciert angegangene Kurven,
hebt wohl auch mal das
kurveninnere Vorderrad an, bleibt aber immer gutmütig und beherrschbar.
Der Wagen ist für
seine Größe ganz bequem gefedert, vielleicht ein bißchen
zu weich gedämpft, aber immerhin
nicht so schlapp, dass der hohe Aufbau Übelkeit erregend durch die
Biegungen schwanken würde.
Klein zu sein ist des Ignis wahre Größe. Das zeigt sich am angenehmsten
im Stadtverkehr. Sein
agiles Fahrverhalten ist in der City genau so ein Pluspunkt wie sein kleiner
Wendekreis von 9,8
Metern und seine kompakten Abmessungen. Mit einer Gesamtlänge von 3,61
Meter und einer
Breite von 1,74 Meter passt der Kleinstwagen in Parklücken, an denen
die meisten anderen
fluchend vorbei fahren müssen.
Alles in allem ist der Suzuki Ignis bezüglich des Preises, der Ausstattung
und der Leistung ein
ernstzunehmender Rivale für andere Mikro- und Kombivans wie Toyota
Yaris Verso, Mazda
Demio, Opel Agila oder auch den neuen Daihatsu YRV. Konkurrenz belebt bekanntlich
das
Geschäft. Oder um im Bild zu bleiben, dass der Faqhrzeugname malt:
Der Ignis kann Öl
ins Feuer des heiß umkämpften Trendmarktes der kleinen großen
Autos gießen.