Roadmovie
Auf dem Highway ist die Hölle los!
Amerika hatte drei Entdecker: Die Wikinger. Columbus. Und dich.
Der Typ im Hawaiihemd hält das Lenkrad nur mit zwei Fingern, als wäre es eine
Zigarette. Seine andere Hand liegt auf der Schulter einer jungen Frau. Ihr
langes Haar flattert im Wind wie die Mähne eines Wildpferdes im Galopp. Aus den
Lautsprechern des Chevy Convertible heult Mick Jagger mit dem Wind um die
Wette: „Get your kicks on route 66“. Klingt wie der Anfang eines lässigen Roadmovies.
Ist aber dein Urlaub.
Wir haben für dich schon mal die sieben besten Routen durch Amerika gesucht.
Jetzt brauchst du nur noch das richtige Fortbewegungsmittel. Es gibt nur fünf
akzeptable Optionen: ein überdimensionaler Pickup, ein spritfressender Offroader,
ein Cabrio mit ausladenden Heckflügeln, eine buslange Stretchlimo oder eine
alte Harley. Kann man alles vor Ort mieten.
(Für eine Harley z.B.: 001 414 343 4056. Cabrios bei Car Hire Direct: 08700 550044. Pickups: www.orbitz.com)
1. Von San Francisco nach Tijuana
ENTFERNUNG:
800 Kilometer von dem, was die Beach Boys inspirierte: Strände mit meterhohen
Wellen und knapp geschürzte California Girls.
FAHRZEUG:
Die Kombination von Death Valley-Hitze und Pazifik-Gischt ist so angenehm wie
Hautkrebs. Was du hier brauchst, ist ein Ventilator auf Rädern. Klassisch:
Chevy. Atemberaubend: Porsche Boxter
SEHENSWÜRDIGKEITEN:
Heilige Maria! Vielleicht liegt es ja an den anbetungswürdigen
Bikinischönheiten, dass hier jeder Ortsname mit „San“ beginnt? Wenn deine
Freundin auf den Kulturteil der Reise besteht: Mussen gibt es wie Sand am
Strand. Dankenswerterweise haben die Amis einen pragmatischeren Kulturbegriff
als wir. Besonders empfehlenswert: Lou´s Living Donut Museum in San José. Und
im September: der Inkslinger´s Ball in Redondo, die weltgrößte Tattoo-Messe.
2. Great River Road
ENTFERNUNG:
Von Kennern GRR abgekürzt, folgt der Great River Road dem Mississippi. Der Fluß
zieht eine Schlammspur durch zehn amerikanische Staaten. Startpunkt ist der
Geburtsort des Jazz, St Louis. Von dort geht´s 1120 Kilometer zum Golf von
Mexiko.
FAHRZEUG:
Ein Pickup, beladen mit Eiswürfeln, Whiskeyflaschen und Coke-Dosen. Die
kurvenreichen Straßen geben die Geschwindigkeit vor. Also fahr nicht wie die schnellste
Maus von Mexiko, sondern wie eine sehr, sehr satte Klapperschlange.
SEHENSWÜRDIGKEITEN:
Kleine Ortschaften, in denen das 21. Jahrhundert nur auf der Durchreise ist.
Zum Beispiel Graceland Too, die inoffizielle zweite Heimat der
Elvisfangemeinde. Oder Eureka Springs, wo alles so gemächlich läuft, dass es
nicht weiter auffiel, als man mal einen Toten zum Bürgermeister gewählt hatte.
3. Route 66
ENTFERNUNG:
„The Mother Road“ wird sie genannt. Die Mutter aller amerikanischen Straßen
erstreckt sich zwar nicht mehr wie ursprünglich über 3200 Kilometer, aber die
1600 Kilometer Asphaltlegende von La nach Clinton, Oklahoma sind noch
erfahrbar.
FAHRZEUG:
Ein Cadillac muss es sein. Außerdem unbedingt nötig: ein leierndes Tape mit
einer der Millionen Coverversionen von „Get your kicks on Route 66“.
SEHENSWÜRDIGKEITEN:
Die Route 66 ist eigentlich schon die Sehenswürdigkeit an sich. Außerdem: Die
London Bridge, mitten in der Wüste. Die in einer Seifenblase aus Nostalgie
lebende Stadt Seligman. Und damit du weißt, warum so viel Wirbel um ein paar
Kilometer Straße gemacht wird: das Route 66-Museum in Clinton.
4. Highway 90
ENTFERNUNG:
1920 Kilometer in der Sonne gebackener Teer zwischen Sioux Falls, Süddakota und
Seattle, Washington.
FAHRZEUG:
Für die Berge und Wälder sollte es ein Geländewagen sein. Damit du selbst
entscheiden kannst, was eine Straße ist.
SEHENSWÜRDIGKEITEN:
Mount Rushmore. Ja, genau – der mit den Präsidentenköpfen. Die Exponate in Carr´s One of a kind-Museum
sind absolut schräg. Aber nichts im Vergleich zu den Verrückten, die
extra meilenweit zum Montana Testicle Festival reisen – um tiefgefrorene
Stierhoden zu essen.
5. Denali Nationalpark
ENTFERNUNG:
Für Naturfreunde. Die 640 Kilometer bestehen zum Grossteil aus Menschen- und
Maschinenunfreundlicher Tundra. Gefahren: Eis, Schnee und mehr Bären als in
einer Steiff-Fabrik.
FAHRZEUG:
Ein Caravan. Und wenn der Grizzlie kommt, hoffe darauf, dass der Camper gut
verarbeitet ist.
SEHENSWÜRDIGKEITEN:
Sehenswert wäre eigentlich der mit knapp 6 194 Meter höchste Berg Amerikas. Nur
ist der Mount McKinley meist so wolkenverhangen, dass sein Gipfel nicht zu
sehen ist.
6. Highway 80
ENTFERNUNG:
Du wirst dir vorkommen wie in einem dieser Science Fiction-Filme, in denen
zufällig ein einziger Mann den globalen Atomkrieg überlebt. 1440 Kilometer lang
enge Straßen, die von Nirgends nach Nirgends führen.
FAHRZEUG:
Eine gute, alte Harley Davidson.
SEHENSWÜRDIGKEITEN:
Du siehst, dass du nichts siehst. Außer vielleicht Salzseen und Berge. Und die
Alien-Freaks, die nach der Area 51 suchen.
7. East Coast
ENTFERNUNG:
1376 Kilometer. Über die Interstate 95 von Myrtle Beach nach Key West. Statt
Straßenschildern gibt´s am Wegrand Burgerbuden, Schaukelstuhlwippende Rentner
und die Flamingos, die du aus dem Miami Vice-Vorspann kennst.
FAHRZEUG:
Eine laaange Stretchlimousine. Inklusive Minibar. Und eingebautem Fernseher
(für den Miami Vice-Vorspann)
SEHENSWÜRDIGKEITEN:
Der Overseas Highway. Mehr Meerblick als jedes Hotelzimmer: zur einen Seite das
blaue Wasser des Atlantik, zur anderen der grüne Golf von Mexiko. Und
wenn du was über Amerikas wichtigsten Beitrag zur Weltkultur lernen willst: In
Daytona Beach steht die internationale Hamburger-Hall of Fame.