Michael Eichhammer
- Autor -
Belletristik & Sachbücher

Auszug aus Der verletzte Mann:
Schöner Streiten
Wie oft ein Paar streitet, lässt nicht notwendigerweise darauf schließen,
dass
sie mehr Beziehungsprobleme haben als ein anderes Paar.
Vielleicht sind sie einfach temperamentvoller als ein Paar,
das stillschweigend seinen Frust runterschluckt.
Eine Aussprache ist langfristig sogar der bessere Weg.
Was zu lange verschwiegen wird, sammelt sich an.
Ein Turm von stillen Anschuldigungen, gekränktem Stolz, verdrängtem
Ärger, der immer höher wächst und irgendwann umfallen muss.
Es ist wissenschaftlich erwiesen: Paare, die Meinungsverschiedenheiten
als natürlich akzeptieren, erholen sich leichter davon und finden schneller
wieder zu einem harmonischen Miteinander als solche, die Streits mit aller
Kraft zu vermeiden versuchen.
Beim Streiten kommt es sehr stark auf das „Wie“ an. Wer „richtig“
streitet,
dessen Meinungsverschiedenheit kann man kaum noch als „Streit“
bezeichnen.
Eher als Diskussion. Dass es heiß hergehen kann, muss dabei nicht
ausgeschlossen sein. Das A und O aber ist, selbst im Eifer des Wortgefechts
dem anderen weiterhin zu vermitteln: „Auch wenn wir gerade anderer Meinung
sind, respektiere und schätze ich dich.“
Die gängigsten Fehler:
- den anderen zum Schweigen bringen
(zum Beispiel, indem man
mitten im Gespräch die Flucht ergreift)
- Verallgemeinerungen
(das verbotene Wort: „immer“)
- Anklagen, die Schuldgefühle erzeugen sollen
(„Du gehst schon wieder in die Garage? Du liebst dein Auto mehr als
mich!“)
- Hobby-Therapeut spielen und dem Partner eine problematische Störung
attestieren
(„Das liegt alles an deiner verkorksten Kindheit!“)
- Salz in die wunden Punkte des Partners streuen
(z.b. an Fehler der Vergangenheit erinnern)